Die Überraschung der Woche (III)

Gegenstand heute: Ein gelbes Rad mit fünf Speichen, das sich mithilfe einer Art Dockingstation mit Zahnrad und eines etwa fünf Zentimeter langen Stab, der durch die Station gezogen wird, beschleunigen lässt und das daraufhin geradeaus losrollt, bis es auf ein unüberwindliches Hindernis trifft.

Rad

Lieber Felix,

mir schwirrt der Kopf! Die Metaphern brechen ihre Eischale auf, kriechen heraus, machen sich selbstständig und übernehmen die Kontrolle!

Du erinnerst dich sicher noch an die vielen Rad-Schläge und Wünsche, die ich dir vor zwei Wochen mit diesem Präsent auf den Weg gegeben hatte. Doch jetzt erst, da mich geradezu das Rad selbst eigenmächtig auf sein Potenzial hingewiesen hat, merke ich, dass die wichtigste Eigenschaft nicht in meinem Brief aufgetaucht war.  Die Wiederkehr! Das Rad, gleich so wie es sich selbst um sich selbst dreht, bringt sich mir erneut in die Hände, als hätte es kraft seiner eigenen revolvierenden Kraft sich selbst mir entgegengerollt!

Was soll uns dieser unverkennbare Schicksalswink verraten? Das gute und wertvolle kehrt wieder, und zwar viel eher als man es sich erhofft. Beharre auf dem, wovon du weißt, dass es gut ist. Es wird dich ohnehin immer verfolgen, gleich dem fortgestoßenen Rad dir hinterherrollen, dort schon warten, wo du erst langsam dich hinbewegst.

Vergiss nie, dass, so weit du auch rollen magst, du doch stets nur um dich selbst kreist, mit immer den gleichen Sohlen den Boden berührst, mit immer den gleichen Augen in die Welt siehst und dass du letztendlich dich zurückwenden wirst dorthin, von wo du jetzt sehnsuchtsvoll aufrbrichst.

Eine weite Reise? Vielleicht.
Sicher aber: eine Rückkehr.

Dein Klaus

 

Der lyrische Kommentar:

Du kommst und gehst. Die Türen fallen
viel sanfter zu, fast ohne Wehn.
Du bist der Leiseste von Allen,
die durch die leisen Häuser gehn.

Man kann sich so an dich gewöhnen,
dass man nicht aus dem Buche schaut,
wenn seine Bilder sich verschönen,

von deinem Schatten überblaut;
weil dich die Dinge immer tönen,
nur einmal leis und einmal laut.

Oft wenn ich dich in Sinnen sehe,
verteilt sich deine Allgestalt:
du gehst wie lauter lichte Rehe
und ich bin dunkel und bin Wald.

Du bist ein Rad, an dem ich stehe:
von deinen vielen dunklen Achsen
wird immer wieder eine schwer
und dreht sich näher zu mir her,

und meine willigen Werke wachsen
von Wiederkehr zu Wiederkehr.

– Rainer Maria Rilke

 

 

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