Musik zum Sonntag (XXI)

Am 17. Februar 2012, vor fast genau drei Jahren, trat Christian Wulff von seinem Amt als Bundespräsident zurück, und im Medientrubel dieses aufgeregten Tages trat selbstverständlich auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel vor die Presse, um ihre Interpretation des Geschehenen in die Welt zu sprechen:

Und? Betroffen?

Man muss Sprache wohl, so wie hier geschehen, in Musik übersetzen, um ihren wahren Gehalt zu enthüllen, und zu sehen: Sie ist leer. Es gibt kein Ich hinter der Sprache, es gibt eigentlich keinen Inhalt, es ist, zeichentheoretisch gesprochen, ein Sprechakt ohne signifiée, und eigentlich auch ohne signifiant, denn dieses Umhersagen ist ja bloße Inszenierung für die Medien, bloße Perpetuierung des Kommunikationsprozesses, pure Repräsentation ohne irgendetwas Repräsentiertes.

Ich habe ja an anderer Stelle schon über dieses Phänomen der sinn-losen Kommunikation geschrieben, aber sehr allgemein. Hier werden, wie mit einem Seziermesser, die Sätze selbst auseinandergebrochen, bis nichts mehr übrig bleibt. Versuchen Sie einmal, einem Wort zuzuhören, das unsere Kanzlerin da sagt, und sich vorzustellen, was es bedeutet. „Respekt“, „tiefes Bedauern“, „wichtige Impulse“ usw., ist es nicht lächerlich? Die Schnatterhaftigkeit der Musik, die immer dann in seltsamen und unverständlichen Pausen abbricht, wenn eigentlich der Höhepunkt einer Phrase erreicht werden sollte, spiegelt dieses Gerede perfekt wider.

Nun ist die Unaufgeregtheit von Angela Merkel ja schon hundertmal beschrieben und beklagt worden. Ich aber glaube, sie ist überhaupt keine besondere Erscheinung, sondern Epitom unserer Zeit, in der es eben keinen Weg mehr zur Welt, zum Signifikat gibt, zur sogenannten Realität. Die „Relevanz“ von Äußerungen wird ja nur noch im Verhältnis zu anderen Äußerungen gemessen, Bilder beziehen sich auf andere Bilder, und Realität dient einzig der Produktion von medial vermittelten Ab-bildern.

Es gibt keine Politik, es gibt nur Bilder von Politik, es gibt kein Inhalte mehr, nur perpetuiertes Referenzieren, und es gibt keine Angela Merkel, nur Bilder von ihr. Wie gut, dass immerhin diese noch – wie im obigen Video – mit den Mitteln der Kunst dekonstruiert werden können.

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