Musik zum Sonntag (XXIX)

Neulich bin ich dem vierten Satz aus Frédéric Chopins zweiter Klaviersonate verfallen, und er hat mich bis jetzt nicht mehr losgelassen. Es wirkt wie die Begleitmusik zu einem Horrorfilm, dunkel, unklar, Zwölftonmusik avant la lettre, mörderisch vornüber hastend, gleichwohl schleichend, huschend, aber auch gefährlich, bedrohlich, ein rutschiger und zugleich scharfkantiger Untergrund, auf dem man gehen muss ohne sich der eigenen Knöchel gewiss zu sein, wie aus einem fiebrigen Albtraum, ziellos und zugleich immerfort lauern, wie eine Spinne, die im scheinbar sinnlosen Hinundherzucken ihr todbringendes Netz webt, wie die Schatten verschwörerischer Geister, die vor dem Fenster lauern.

Auf Englisch gibt es das wunderbare Adjektiv haunting, das, wie ich finde, dieses Stück genau beschreibt: es ist verfolgend, eindringlich, gespenstisch; verstörend. Und es stammt aus dem Jahr 1839: der perfekte Soundtrack also zur Lektüre der romantischen Schauerliteratur.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s