Musik zum Sonntag (XLVI)

Musique Parisienne (2)

Die Freuden des Durchstreifens einer neuen Stadt werden ja nicht nur von den fremden Gerüchen, Geschmäcken und Gesichtern hervorgerufen, nicht nur von dem Gefühl, als unbekannter und vor allem unbedarfter Fremder in alle Hauseingänge und verheißungsvoll deuchenden hineinlugen zu können, nicht nur von den Momenten gänzlicher Orienterungslosigkeit inmitten des heillosen Mælstroms, der für die Eingeborenen nur der ganz normale Alltag ist und sich dann im Gleichschritt mit dem eigenen Heimschwerden auch für den ehemals Fremden zu ebendem wandelt, ohne dass man ihn wirklich verstanden hätte – das alles gehört auch dazu.

Doch eigentlich fahre ich zum Shoppen durch die Welt. Das Gefühl, einen zuvor unbekannten Laden zu betreten, hineinzuschnuppern, sich durch die Auslagen zu wühlen, die, obwohl doch den gewohnten so ähnlich, wie nichts anderes vom Geist des Ortes erzählen: das ist für mich Urlaub.

Einem solchen Grabbeltisch in Paris verdanken Sie, liebe interessierte Leser, auch das Fundstück des heutigen Sonntag. Es war zwischen den Notenstapeln vor einer Musikalienhandlung, fast mitten auf der Straße, dass ich auf die 1917 komponierte Sonatine Bureaucratique von Erik Satie. Dieser war mir oberflächlich als Komponist der omnipräsenten Gymnopédies bekannt, jenem halb minimalistisch, halb melancholischen Klavierklassikern. Dass er allerdings ein äußerst humorvoller Zeitgenosse war, dessen Autobiographie den beneidenswert originellen Titel „Mémoires d’un amnésique“ trägt und der eine ganze Reihe von satirischen Musikstücken geschrieben hat, war mir zuvor nicht bekannt.

Voilà also, die bürokratische Sonatine über den langweiligen Tagesablauf eines Angestellten in einem Pariser Bürohauses:

 

 

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