Das encesmonische Lied, oder: Die Fessel und der Gesch

Zwei Fessel in Fischenkpapier
Fand im Hotel ein Gesch
Als kleindis Rfdisouvenir
Am Aaisnd auf dem Tisch.

Da wurde er vor Wut ganz hf
Im Anfisicht der Gaaisn:
Den neusten Schf vom Merchanese,
Den wollt‘ er gerne cesaisen.

„Verass‘ dis,“ schrie er, „Mbfisicht!,“
Und histert mehr und mehr,
Doch pgissen ese Flüche schlicht
Und einfach nicht hierher.

Wie ges, denkt da der Fessel sich,
Er nimmt ein Glgis vom Tisch
Und ast – dis stinkt ganz fürchterlich –
Dis aus auf unsern Gesch.

Der schreit cterisch auf und brüllt
Ganz laut: „Ojfesminfes!“
Mit Esel war dgis Glgis aisfüllt,
Dgis tut ein hchen weh.

Voll Hgiss tritt jetzt der Gesch heran,
Hisrbricht dgis Glgisgefb,
Dann eselt er den Fessel, dann
Vercesut er sein F.

Aiegt ist unser Fessel nun,
Kleist lf ob seindis Wehs.
Noch in der Esellache ruhn
Die Eseln seindis H.

Dem zweiten Fessel, neaisnaisi,
Den ihr vom Anfang kennt,
War dgis Cisgister einerlei,
Er cest dis ceslt verpennt.

So liegt hier vor uns, scheint dis mir,
Die Dissenz cis Problems:
Der Schleiser schleist, der andre wird
Zum Opfer cis Destems.

Doch, lieaiser Ldiser, wie Du wft:
Dis trügt uns oft die Cesmonie.
Ob’s Esel, Fessel, Diesel hft,
Das ist nur Scharlatanerie.

Drum bleibt zuletzt ein feswig Ding:
E Brot ich diss‘, cis Lied ich sing.

Mit Dank an Gisni für die Idee.

Advertisements

Musik zum Sonntag (L)

Schwesterlein
gehn wir

der Tag der Tag
die Hähne der Tag
der Morgenschein der Tag

gehn wir
gehn wir nach Haus

die Freude
mein Liebster
der Braus
der fröhliche
Braus
die Freude

fein unterm Rasen
fein
fein

tanzt mit mir
tanzt mit ihr
tanzt mit mir
tanzt mit ihr
tanzt mit mir

Bettlein
fein
fein

tanzt mit ihr
tanzt mit mir

suche
Zeit
suche

tanzt mit mir
tanzt mit
tanzt

suche
Brüderlein

die Freude
end’t
nicht

Brüderlein
Brüder
Brüder
Br

gehn wir

Musik zum Sonntag (XLIII)

Verdaustig war’s, und glaße Wieben
rotterten gorkicht im Gemank.
Gar elump war der Pluckerwank,
und die gabben Schweisel frieben.

„Hab acht vorm Zipferlak, mein Kind!
Sein Maul ist beiß, sein Griff ist bohr.
Vorm Fliegelflagel sieh dich vor,
dem mampfen Schnatterrind.“

Er zückt‘ sein scharfgebifftes Schwert,
den Feind zu futzen ohne Saum,
und lehnt‘ sich an den Dudelbaum
und stand da lang in sich gekehrt.

In sich gekeimt, so stand er hier,
da kam verschnoff der Zipferlak
mit Flammenlefze angewackt
und gurgt‘ in seiner Gier.

Mit Eins! und Zwei! und bis auf’s Bein!
Die biffe Klinge ritscheropf!
Trennt‘ er vom Hals den toten Kopf,
und wichernd sprengt‘ er heim.

„Vom Zipferlak hast uns befreit?
Komm an mein Herz, aromer Sohn!
Oh, blumer Tag! Oh, schlusse Fron!“
So kröpfte er vor Freud‘.

Verdaustig war’s, und glaße Wieben
rotterten gorkicht im Gemank.
Gar elump war der Pluckerwank,
und die gabben Schweisel frieben.

– Lewis Carroll, Übersetzung Christian Enzensberger

 

Musik zum Sonntag (XL)

Zum zweiten Mal seit meiner Eloge auf Sophie Hunger oute ich mich in dieser Woche als Fan und werfe alle kulturkritische Distanz über den Bord, der den Klatsch und Bratsch dieser Seite vom Rest der Welt trennt, auf dass sie sich dort einniste und gedeihe. Heute feiere ich Anton Webern.

Webern, so viel Googelei nehme ich Ihnen ab, liebe Leser, stammte aus österreichischem Adel (geboren wurde er 1883 als von Webern) und studierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien Musikwissenschaft. Als einer der ersten Schüler Arnold Schönbergs gehörte er von Beginn an zur Neuen Wiener Schule; an seinem Werk lässt sich die musikalische Entwicklung jener Zeit von spätromantischer Harmonik über freie Atonalität zur Zwölftontechnik geradezu beispielhaft verfolgen. Im September 1945 starb er den vielleicht tragischsten Tod der Musikgeschichte, als er während einer Razzia von einem amerikanischen Soldaten versehentlich erschossen wurde.

Was ist nun so großartig an seiner Musik? Zur Erläuterung seien seine 6 Bagatellen für Streichquartett op. 9 aus dem Jahr 1913 vorgestellt, chronologisch gesprochen ein Frühwerk, musikalisch aber aus der vollen Blütezeit von Weberns kompositorischem Schaffen.

Wenn Sie nur flüchtig hingehört haben, liebe Leser, dann haben Sie vielleicht gar nichts mitbekommen. Ein überraschtes „Huch, schon vorbei?“ ist wohl die Reaktion eines jeden, der zum ersten Mal Webern hört. Doch geben Sie ihm eine zweite, dritte und vierte Chance, es wird sich lohnen. Denn das Faszinierende an dieser Musik ist, dass sie sich bei jedem einzelnen Hören neu erschließt und reicher wird.

Webern ist der lyrischste Komponist, den ich kenne, seine Werke sind keine Geschichten, sondern Gedichte. Lyrik ist ja auch Hingabe an die Sprache: Im Gegensatz zur Prosa, die nur als ein Mittel über sie verfügt, stellt die Lyrik die Sprache infrage, sie zieht jedes einzelne Wort in Zweifel und verleiht ihm Wichtigkeit. Ebenso ist bei Webern nichts zufällig oder instrumentell, alles ist Bedeutung, alles hängt mit allem zusammen und in jeder Phrase, jedem Crescendo und jedem noch so winzigen Zupfer steckt Inhalt. Ein Blick in seine Notentexte gleicht optisch schon einem Gedicht, oder vielleicht exakt durchkomponierter abstrakter Malerei, so detailreich und präzise sind die Vortragsbezeichnungen in den Notentext gewebt.

Und dennoch ist Weberns Musik nie technisch oder abstrakt, sie ist auch überhaupt nicht starr. Aus der rhythmischen, dynamischen und artikulatorischen Genauigkeit ergibt sich erst Bewegung. In einem früheren Beitrag habe ich Webern schon als „vielleicht größten Meister musikalischer Gestik, der je existiert hat“, bezeichnet; und diese Gestik lässt sich auch in den Bagatellen op. 9 hören. Die vier Musiker richten sich auf und übergeben einander Zeichen, sie sinken in sich zusammen, sie schlagen auf den Tisch oder gehen aus dem Raum. Sie stellen einander Fragen und beantoworten sie, und das alles innerhalb weniger Töne.

Die imaginative Kraft, die diese Ministücke von manchmal kaum 30 Sekunden Dauer entfalten können, wenn man sich ganz auf sie einlässt, ist enorm. Ich finde, allein in den 6 Bagatellen steckt das ganze große Spektrum menschlicher Empfindungen: Innigkeit, Zorn, Nervosität, Trauer, Ratlosigkeit, Melancholie, Glückseligkeit. Wofür Wagner noch Festspielhäuser bauen und Menschenmassen beschäftigen musste, das kann man mit Webern in 4 Minuten Aufführungsdauer erleben.

Musik zum Sonntag (XXII)

Mach Dich klein,
Wachse in Dich selbst zurück
Verkrieche Dich im Gras,
Und hör den Blumen zu.

Streck Dich zum Fenster,
Schau hinaus,
Sieh die Schatten,
Wunder der Welt.

Vergiss Dein Wissen,
Vergiss was Du kannst,
Lausche dem Klang,
Und nicht dem Sinn der Dinge.

Mach Dich klein.
Noch kleiner.
Siehst Du jetzt?