Musik zum Sonntag (XLVII)

Musique Parisienne (3)

Unten waren die Flügeltüren des Theaters aufgerissen worden, als das tanzende Frühlingsopfer hinaus ins Freie stürmte, hinter sich die aufgebracht tobende Menge der Zuschauer, vor sich die Stadt. Die Ströme aus dem Parkett ergossen sich auf die Straßen und waberten in die Stadt hinein, sie stolperten im Sog der Ekstase in ihre Wagen und preschten auf die Boulevards hinaus, sie blockierten den Verkehr, sie überschwemmten die Metrotunnel und sprangen in das schwarze Wasser der Brunnen, sie  kaperten Busse und überwanden die Zäune der längst abgesperrten Parks. Immer mehr Menschen schlossen sich der wild stampfenden und grölenden Menge an, einander beschimpfend, der Tänzerin folgend, die dort vorne – schon nicht mehr von dieser Welt – ihrem Schicksal entgegentanzte. Über Brücken und durch Tunnel walzte sich die unaufhaltsame Welle, durch die Tür in Häuser hinein und übers Dach wieder hinaus, und in den Fluss, der schon unter den Füßen der Horden zu einem schlammigen Graben geworden war. Über den grauen Dächern der Stadt stieg bald Rauch auf, dann erleuchteten erste Feuer das Dunkel der Nacht.

Oben, auf dem Balkon, saß der Komponist auf dem Balkon und erhob sein Glas. Für eine Nacht war die Stadt sein, ein großes Kunstwerk – sein Kunstwerk. Er leerte das Glas und sah in die leuchtende Nacht hinaus, dann sprang er.

Musik zum Sonntag (XLVI)

Musique Parisienne (2)

Die Freuden des Durchstreifens einer neuen Stadt werden ja nicht nur von den fremden Gerüchen, Geschmäcken und Gesichtern hervorgerufen, nicht nur von dem Gefühl, als unbekannter und vor allem unbedarfter Fremder in alle Hauseingänge und verheißungsvoll deuchenden hineinlugen zu können, nicht nur von den Momenten gänzlicher Orienterungslosigkeit inmitten des heillosen Mælstroms, der für die Eingeborenen nur der ganz normale Alltag ist und sich dann im Gleichschritt mit dem eigenen Heimschwerden auch für den ehemals Fremden zu ebendem wandelt, ohne dass man ihn wirklich verstanden hätte – das alles gehört auch dazu.

Doch eigentlich fahre ich zum Shoppen durch die Welt. Das Gefühl, einen zuvor unbekannten Laden zu betreten, hineinzuschnuppern, sich durch die Auslagen zu wühlen, die, obwohl doch den gewohnten so ähnlich, wie nichts anderes vom Geist des Ortes erzählen: das ist für mich Urlaub.

Einem solchen Grabbeltisch in Paris verdanken Sie, liebe interessierte Leser, auch das Fundstück des heutigen Sonntag. Es war zwischen den Notenstapeln vor einer Musikalienhandlung, fast mitten auf der Straße, dass ich auf die 1917 komponierte Sonatine Bureaucratique von Erik Satie. Dieser war mir oberflächlich als Komponist der omnipräsenten Gymnopédies bekannt, jenem halb minimalistisch, halb melancholischen Klavierklassikern. Dass er allerdings ein äußerst humorvoller Zeitgenosse war, dessen Autobiographie den beneidenswert originellen Titel „Mémoires d’un amnésique“ trägt und der eine ganze Reihe von satirischen Musikstücken geschrieben hat, war mir zuvor nicht bekannt.

Voilà also, die bürokratische Sonatine über den langweiligen Tagesablauf eines Angestellten in einem Pariser Bürohauses:

 

 

Fighting Levelling since 1209

„Cambridge and Oxford enjoy a prestige which is not shared by any other universities and approached perhaps only by Harvard, Yale, and Princeton. This is due partly to their antiquity, but that attribute is shared by a great many universities from Uppsala to Coimbra; it is not due to their standard of learning, which is higher in many other universities. It is due very largely to their expensiveness, for despite scholarships and state-aid, Cambridge and Oxford still remain the home of privilege, where the man of moderate means has endless advantages over the man with no private means at all. […] The two universities do not live only on the fact of  privilege, nor do they exist only for those who are privileged by birth or income. But they do exist very largely on and for those, and are among the few places now left in a world of Levelling, where inequality is given proper recognition.“

– John Steegmann, Cambridge: As it was and as it is to-day, 1940